Mittwoch, 1. Februar 2017

34. "Nach ihm die Sintflut!"

Mit den Worten der Überschrift hat Maria am letzten Freitag perfekt zusammen gefasst, wie Mr. L uns und das Hotel hinter sich gelassen hat. In unseren Augen war Mr. L ein recht verständnisvoller Chef, der natürlich hier und da mal einen blöden Spruch gemacht hat und seine Launen hatte, aber das ist ganz normal. Niemand ist perfekt! Doch bei dem, was ihr eben gelesen habt, sollte besonders eine Sache beachtet werden: das "war". Nicht nur, weil Mr. L gegangen ist, sondern sich so gut wie jede seiner positiven Eigenschaften in den letzten Wochen vor seinem Ruhestand in Luft aufgelöst haben. 


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich bei diesem Update anfangen soll. Zurzeit geht alles drunter und drüber und ich bin mit allem absolut überfordert. Wir alle sind das. Sonntagabend saßen Maria und ich bei ihr im Zimmer auf dem Boden und ich habe einfach nur geweint. Selbst das von mir mehr als gefürchtete Mathe-Abitur hat mich nicht so gestresst!

Dieser Post ist leider keiner der besonders positiven Art, aber im Leben gibt es nicht immer nur Regenbogen und Sonnenschein. Das wisst ihr sicher alle! Die Bilder passen deswegen überhaupt nicht zum Thema, denn so bringen sie etwas Schönes zwischen die ganzen mit Frustration gefüllten Sätze...




Die Übergabe fand letzten Freitag statt. Ich hatte Frühschicht und gegen um acht stand auf einmal ein Mann mit Aktenkoffer vor der Rezeption und wollte zu Mr. L. Tja, der kam aber immer erst gegen elf. Er hat es tatsächlich bis zu seinem letzten Tag nicht geschafft, demjenigen, der früh arbeitet, zu sagen, dass irgendein Anzugsträger vorbei kommt. Kommunikation gehörte in solchen Fällen nicht gerade zu seinen größten Stärken. Aus einer Person wurden dann ca. acht, plus Fotograf, welcher wirklich jede einzelne Tasse fotografiert hat und ich die meiste meiner Zeit damit verbracht habe, ihm hinterher zu räumen.

Ergebnis: eine neue Kartenmaschine, kein Essen mehr in der Küche, da der neue Konzern dafür nicht zahlen wollte und ein Paar, welches nun anstelle von Mr. L und seiner Frau das Hotel führen soll. Übrigens waren das nicht die Zwei, die ich mal im Hotel gesehen habe. Soweit ich das verstehe, hat ein Konzern das Hotel aufgekauft und das ältere Pärchen, als Leiter des Hotels eingesetzt. B und S sind wirklich sehr nett, aber das größte Problem ist, dass Mr. L seine eigene Art hatte, das Hotel zu führen. Da er am Freitag keine große Hilfe war, sollen wir jetzt erklären wie alles funktioniert. Theoretisch schon plausibel, allerdings ist die ganze Sache kaum umsetzbar. Maria und mich wurden nur sehr bruchstückhaft in die wenigsten Sachen eingewiesen. Es herrscht momentan einfach das absolute Chaos. Am Sinnvollsten wäre es in meinen Augen einfach für eins, zwei Wochen zu schließen, aber mich fragt ja keiner!


Ich bin hier in England, weil ich es möchte, nicht weil ich muss.
Ich arbeite in diesem Hotel, weil ich Erfahrungen sammeln will.
Ich brauche das Geld nicht, jedenfalls nicht um meine Existenz zu sichern.
Ich habe diese Arbeit nie gelernt, das ist sogar mein erster Job.

An diese Dinge erinnere ich mich immer wieder. Vor allem am Wochenende als ich Leute aus dem Hotel schicken musste, weil wir gerade mal genug Essen für die Hotelgäste hatten. Bis Dienstag fehlte uns außerdem saubere Bettwäsche und Handtücher, da Mr. L nichts Neues bestellt hatte. Am Wochenende mussten wir aus anderen Zimmern Laken und Co. nehmen, um die paar Räume vorzubereiten, die gebucht waren. Samstagabend standen zweimal Leute vor mir, die einchecken wollte und nicht im System waren, weil uns die Buchungen nicht von Mr. L gegeben wurden. Dann wurde am Sonntag noch festgestellt, dass fast kein Öl mehr zum Heizen da war, aber zum Glück kam es nicht zum Schlimmsten.

Ich verstehe ja, dass Mr. L nach 32 Jahren einfach auf gut Deutsch gesagt "die Schnauze voll hatte" und dass er froh war, einen Käufer gefunden zu haben. Vermutlich würde mir das ähnlich gehen, ich bin auch nur ein Mensch. Aber muss man deswegen alles so schleifen lassen? Das ist kein Monopoly-Spiel, welches man mittendrin abbrechen kann, weil man einfach keine Lust mehr hat. Es geht hier um echte Menschen, die Zimmer buchen und um echtes Geld und echte Mitarbeiter, die keine Ahnung vom Business haben. Sein Verhalten empfinde ich als unverantwortlich und ich kann nicht in Worte fassen, wie wütend ich das ganze Wochenende über war!


In meiner Jobbeschreibung steht "Waitress, Housekeeping & General Assistant" - kellnern, Zimmer putzen und hier und da assistieren. Assistieren! ASSISTIEREN!!! Im Moment assistiere ich nicht, ich manage das Hotel. Ich gebe zu, es fühlt sich schon etwas cool an E-Mails an Geschäftsleute zu schreiben, die ein Meeting im Hotel halten wollen. Ich bin auch in der Lage Rechnungen an Konzerne zu schicken oder Anrufern Auskunft über die Verfügbarkeit von Zimmern und deren Preise zu geben, aber die Sache ist die: das ist mir zu viel Verantwortung! Im Endeffekt bin ich natürlich keine ausgebildete Managerin und man übergibt mir diese Aufgaben auf eigene Gefahr, aber ich fühle mich trotzdem verantwortlich. So bin ich halt.

B und S haben definitv Ahnung vom Business. Dies ist nicht das erste Hotel, welches sie leiten. Aber sie haben eben keinen Plan, wie es hier läuft. Meiner Meinung nach war es sehr unfair vom Hotelkonzern, sie einfach so ins kalte Wasser zu werfen. Die grandiose Idee alles weiterlaufen zu lassen, anstatt zu schließen, bis die größten Fragen aus dem Weg geräumt sind, kam natürlich auch von "oben". Es geht dabei nur ums Geld, aber mir ist das mittlerweile relativ egal! Vom ersten Schock habe ich mich zwar wieder etwas erholt, trotzdem ist es einfach sehr viel auf einmal. Ich nehme definitiv viel mit und auf lange Sicht betrachtet, wird mich das Geschehen zurzeit auch sicherlich stärken, aber im Moment fühle ich mich einfach unwohl und verloren!

So, das wollte ich euch nur wissen lassen und bitte um Verständnis, sollte es auf meinem Blog demnächst vielleicht etwas ruhiger werden.

vielen Dank fürs' Lesen & liebste Grüße,
 Nina :)

P.s. S ist ja super nett, aber sie benutzt das Wort "säubern" bestimmt in jedem zweiten Satz und scheucht vor allem unsere arme Spanierin D die ganze Zeit mit Putzutensilien durch das Hotel. Dazu scheint sie es zu lieben in den ungünstigsten Momente völlig belanglose Fragen zu stellen. Zum Beispiel wollte sie letztens wissen, wie wir denn den Teppich vor der Rezeption reinigen würden, als ich gerade am Telefon war! 

Kommentare:

  1. Wow, was für tolle Nebel-Aufnahmen !

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  2. Ohje, bei dir ist ja grade richtig viel los. Ich hoffe, dass sich das alles wieder einrenkt und du die verbleibende Zeit noch genießen kannst! ♥

    Ganz liebe Grüße aus Frankreich :)

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  3. Wow sind das schöne Fotos! :) Richtig gut mit dem Nebel festgehalten!


    Kim | von KIMMARLEN

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  4. Erstmal: Sehr schöne Aufnahmen. Der Rest klingt wirklich alles andere als erfreulich.. Das tut mir leid für dich, dass deine momentane Situation so von heute auf morgen auf den Kopf gestellt wurde... Aber es zeichnet dich aus, dass du trotz alldem nicht das Handtuch wirfst sondern dich auch im Sinne deiner Kollegen für das Hotel einsetzt... Diese Eigenschaft, Verantwortung zu übernehmen, die einem eigentlich nicht gehören sollte, ist Fluch und Segen zu gleich. Natürlich wächst man an solchen Herausforderungen auch, selbst wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird, aber ich glaube, man muss auch aufpassen, sich rechtzeitig abzugrenzen bevor man am Schluss für alles verantwortlich gemacht wird... Ich drücke dir die Daumen dass bald alles wieder in geregelten Bahnen verläuft!
    Alles Liebe,
    Lisa. http://lizinview.blogspot.co.at/

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    1. Dankeachön!
      Das ist eben das Hauptproblem an der Sache: ich muss mich nicht verantwortlich fühlen, aber ich tue es. So bin ich einfach und wenn sich sonst kaum einer kümmert, sagt mir mein Kopf, dass ich es machen muss und Maria geht es dabei genauso. Wir haben das nie gelernt, unsere Zeit hier ist begrenzt, aber wir können das nicht schleifen lassen...und packen uns dadurch das Gewicht der Welt auf die schultern. Distanz ist wichtig und wir arbeiten daran, aber keine von uns war bis jetzt in solch einer Situation...
      Dankeschön, ich hoffe auch, dass sie bald alles etwas normalisiert. Meine Zeit ist eh bald um, aber meine Kolleginnen sind ja noch etwas hier!

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  5. Die Bilder sind wirklich toll ! Ich kenne das zu gut, manchmal ist wirklich viel zu viel los.

    Liebe Grüße
    Measlychocolate by Patty
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    1. Freut mich, dass dir die Fotos gefallen! :)
      Oh ja...und irgendwie scheint diese Woche trotzdem nicht enden zu wollen. :D

      liebe Grüße zurück ♥

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  6. Die Bilder sind total schön geworden - Besonders das letzte sieht mit den Lichteffekten toll aus <3
    Liebe Grüße
    Lara

    http://laraasophiie.blogspot.de/

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