Mittwoch, 5. Oktober 2016

14. Minus Dreißig

Schnappt euch eine Tasse Tee oder Kaffee, einen Snack dazu und macht es euch gemütlich. Das wird eine etwas längere Lektüre!

Seit gestern ist es einen Monat her, dass ich mich mit Sack und Pack und einem Kloß im Hals auf mein Abenteuer begeben habe. Ich bin in vier Wochen vielen Menschen begegnet, wurde täglich mit neuen Aufgaben konfrontiert und habe bereits Einiges über mich selbst herausgefunden.

Die ersten zwei Wochen in Bournemouth betrachte ich im Rückblick nun wirklich als Urlaub. Freizeit, Freunde, Party und die drei Stunden Schule pro Tag haben so Spaß gemacht. In Bicester ist alles anders. Auch hier habe ich Freizeit, Freunde und die Möglichkeit abends weg zu gehen, aber es ist definitiv anders.



Anstatt Schule heißt es jetzt Arbeit.
Diese ist hart. Nicht nur körperlich.
Jedenfalls für mich.

Neben kellnern und Zimmer putzen wird uns hier große Verantwortung auferlegt. Erst letzten Samstag war ich vier Stunden allein im Hotel. Es haben ein paar Leute angerufen und ich habe für sie erfolgreich Zimmer gebucht. Ich bin der englischen Sprache mächtig und auch nicht auf den Kopf gefallen, trotzdem war es mir erstmal etwas zu viel. Wenn man dazu noch ein Profi im reinsteigern und "zerdenken" ist, nimmt das unschöne Ausmaße. Dementsprechend war ich am Samstag emotional nicht auf der Höhe. Es ist nichts schief gelaufen und ich war im Nachhinein auch sehr stolz auf mich. Allerdings müsst ihr wissen, für die gute Nina und ihren Kopf ist die Überforderung mit dem Bestehen der Aufgabe nicht überwunden. NEIN! Man muss noch weiter grübeln und sich selbst das Leben schwer machen.


Sonntag war dann auch nicht so der Hit, da ich dieses blöde Gefühl vom vorherigen Tag mitgenommen habe.
Selbstmitleid, sag ich nur! Weswegen? Gute Frage, die Nächste bitte.

Aber als ich mir dann am Abend fast drei Stunden lang alleine die Beine in den Bauch gestanden habe, weil Sonntagabend fast nie jemand kommt, habe ich nachgedacht.
Gut nachgedacht.
Klar - es ist blöd, dass ich so weit weg von meiner Familie, meinem Freund und meinen Freunden bin.
Klar - es macht weniger Spaß allein an meinem freien Tag irgendwohin zu fahren. Doch die Anderen arbeiten eben, dadurch habe ich ja frei.
Klar - ich darf mal traurig sein, Heimweh haben und mich bei meinen Liebsten ausheulen. Ich bin weder zu meinem Geburtstag, Weihnachten noch Silvester zu Hause. Das ist blöd.
ABER ich kann doch nicht für die nächsten fünf Monate bei jeder Kleinigkeit die Fassung verlieren und mir unnütze Probleme schaffen. Immerhin bin ich ja genau deswegen hier - raus aus der comfort zone, raus aus der Gewohnheit! Selbstständig sein, selbstbewusster werden und einfach Erfahrungen sammeln. Dazu muss man eben manchmal Dinge tun, die einem mehr abverlangen, als man es gewohnt ist. Anders geht es nicht.


Ich will ehrlich mit euch sein: wenn ich daran denke, wie lange ich noch hier bin, verspüre ich schon einen kleinen Stich in die Seite. Versteht mich nicht falsch, ich finde es super, dass ich diese Reise und diese Erfahrungen machen kann, aber in Situationen wie am Samstag kommen dann doch mal kurz ein paar Zweifel auf. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass mit der Zeit alles zur Routine wird. Ich habe schon oft früh allein das Hotel aufgeschlossen und alles für das Frühstück und den Tag vorbereitet, viele Check-Outs und Check-Ins durchgeführt und die Abendschicht mit Bar und kellnern liegt mir schon sehr gut. Außer bei den Drinks, da hapert es. Bier zapfen klappt, aber sonst habe ich nur Gin Tonic, Vodka Tonic und Bitter Shandy drauf. Aber im Notfall kann man ja immer nachfragen. In dieser Hinsicht ist mein Boss echt super. Manchmal ist er mir etwas zu sarkastisch und oft weiß man nicht, ob er das Gesagte ernst meint oder nur wieder seine Späße mit einem treibt, aber bei Fragen und Problemen hilft er. Immer und ohne Gemecker.

Sehr lange Rede, kurzer Sinn - mir geht es gut und ich kann nach einem Monat schon sagen, dass mein Selbstvertrauen zugenommen hat. Ich bin froh, hier in diesem tollen Land zu sein, meine Lieblingssprache sprechen zu können und in die Städte zu fahren, die ich schon immer mal besuchen wollte. Und diese Auswahl an Schminke, Himmel ist kein Wort dafür.

Ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen!
  Nina

Ps. Ist die Kirche nicht schön? Sie steht auf einem Privatgelände, welches man bis zur Kirche betreten darf. Es ist so idyllisch dort. Ich gehe gern dorthin, um die Ruhe und die Landschaft zu genießen.

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